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Berufliches Training von zu Hause aus

24.04.2020

Die intensive Betreuung von Teilnehmer geschieht nun am Telefon. Psychologin Karin Hofmann berät Teilnehmer des SRH Beruflichen Trainingszentrum Dresden. Foto: SRH/Carolin Menz

Die Corona-Pandemie und die Maßnahmen zur Eindämmung haben großen Einfluss auf die Arbeit in den SRH Beruflichen Trainingszentren in Dresden, Leipzig, Cottbus und Rostock. Die Arbeitsweisen der Beruflichen Trainer und Psychosozialen Mitarbeiter hat sich genauso verändert, wie die der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Insgesamt gingen 140 Teilnehmer von heute auf morgen ins Homeoffice und setzen ihre Beruflichen Trainings oder Berufsvorbereitenden Maßnahmen zu Hause fort - eine große Herausforderung für alle Beteiligten.

Von zu Hause aus erledigen die Teilnehmer nun theoretische Aufgaben, die inhaltlich zu dem Fachbereich passen, in dem sich die Teilnehmer auf den Start einer Umschulung oder Ausbildung oder die Rückkehr in den Beruf vorbereiten. Die Beruflichen Trainer übermitteln per Telefon, Mail oder Post Aufgabenpakete. Wie unter normalen Umständen auch, orientieren sich Pensum und Anforderungen an der individuellen Leistungsfähigkeit. "Anregungen geben Prüfungsfragen, Ausbildungsinhalte und digitale Plattformen", so Udo Metzger, Teamleiter des Beruflichen Trainings in Leipzig.

In den SRH Beruflichen Trainingszentren ist die Praxis fester Bestandteil der Maßnahmen, damit Teilnehmer unter realistischen Bedingungen den künftigen Arbeitsalltag trainieren können. Nun werden Aufgaben entwickelt, die mit einfachen Dingen daheim lösbar sind. "Eine Inventur beispielsweise lässt sich gut mit den Lebensmitteln in der eigenen Küche üben", so Bernd Krause, Leiter des Beruflichen Trainings in Cottbus. Gut umsetzbar sind auch gestalterische Aufgaben. Die Berufliche Trainerin Romy Korzeniak lässt ihre Teilnehmer unter anderem Fotos machen, Skizzen für Visualisierungen erstellen oder Comics zeichnen. "Wir orientieren uns normalerweise an den persönlichen Wünschen und Fähigkeiten unserer Teilnehmer, so auch jetzt."

Dennoch ist Homeoffice gerade für Menschen mit psychischen Erkrankungen eine besondere Herausforderung. "Wir müssen viel Motivationsarbeit leisten und darauf achten, dass Teilnehmer ihre Tagesstruktur aufrechterhalten", so Thomas Pohl, Teamleiter für das Berufliche Training in Dresden.
Erfahrungen der psychosozialen Mitarbeiter aller Trainingszentren zeigen, dass jeder Betroffene der Krise anders begegnet. "Einem Menschen mit generalisierter Angststörung kommt es eher entgegen, nicht raus gehen zu müssen. Für Menschen mit Depressionen ist die weitgehende Isolation dagegen sehr schwierig", sagt Karin Hofmann, Leiterin Psychosozialer Dienst in Dresden. "Wir müssen deshalb unbedingt mit unseren Teilnehmern in Kontakt bleiben." Vorrangig geschieht dies über das Telefon, in Dresden und Leipzig auch per Video. "Mir ist wichtig, dass ich die Teilnehmer regelmäßig sehe", sagt Jeannine Scheibler, Teamleiterin des Psychosozialen Dienstes in Leipzig. An der Körpersprache und daran, ob ein Teilnehmer morgens einigermaßen frisiert und ordentlich gekleidet vor dem Bildschirm sitze, lässt sich erfassen, wie es ihm psychisch geht. Auch per E-Mails tauschen sich die Teilnehmer regelmäßig mit ihrem festen Psychosozialen Mitarbeiter aus oder sie chatten gemeinsam in der Gruppe.

Wie Menschen mit psychischen Erkrankungen das Arbeiten und die Isolation zu Hause bewältigen, ist sehr verschieden. Teilnehmer aller Standorte erzählen, dass das Homeoffice hilft, den Alltag recht gut zu strukturieren. Dennoch bereitet die Krise vielen Sorgen. So kann sich eine Dresdner Teilnehmerin, die an einer Angststörung leidet, derzeit nicht ihren Ängsten in Alltagssituationen stellen. "Das wirft mich in meiner Entwicklung wieder zurück", sagt sie. Eine unter Depressionen leidende Teilnehmerin aus Rostock musste ihr gerade begonnenes Praktikum wegen des Ausbruchs der Pandemie unterbrechen. Sie macht sich nun Sorgen, ob sie es wieder aufnehmen kann. Eine Teilnehmerin aus Cottbus hingegen ist zuversichtlich. Sie wird ab Mai trotz Corona ein Langzeitpraktikum absolvieren und im August eine Umschulung zur Steuerfachangestellten beginnen. Die ehemalige Verkäuferin, die aufgrund einer Thrombose im Gehirn und einer psychischer Erkrankung nicht mehr als Verkäuferin arbeiten darf, hat dadurch eine neue Perspektive.

Wann der Betrieb in den SRH Beruflichen Trainingszentren in gewohnter Weise wieder aufgenommen werden kann, ist abhängig vom weiteren Verlauf der Pandemie und den damit verbundenen Verfügungen der Landesregierung.