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Mit einem Lastenrad zu einer neuen beruflichen Perspektive

22.04.2021

In der Werkstatt des SRH Beruflichen Trainingszentrums Rostock tüftelten Teilnehmer Holger Lindemann und der Berufliche Trainer Ole Napiwotzki gemeinsam an einem Projekt: Sie fertigten einen speziellen Aufbau für ein Lastenfahrrad, das in der Coronakrise als mobiler Infostand unterwegs ist. Über das Projekt fand Holger Lindemann eine neue berufliche Perspektive trotz seiner psychischen Erkrankung.

Im SRH Beruflichen Trainingszentrum Rostock bereiten sich Menschen mit psychischen Erkrankungen auf die Rückkehr oder den Einstieg in das Berufsleben vor. In der Nachbarschaft der Einrichtung vertreibt der Fahrradhandel Transportrad MV Lastenfahrräder. Sie sind für Eltern gedacht, die damit Kinder und Gepäck transportieren wollen. Aber auch immer mehr Händler, Lieferanten und Gastronomen nutzen Lastenfahrräder als mobiles Unternehmen – beispielsweise als Imbissbude oder zum Verteilen von Infomaterial. Für einen solchen Zweck war die Zuarbeit aus dem Beruflichen Trainingszentrum gefragt. "Wer ein Lastenfahrrad kauft, hat oft Sonderwünsche für den Aufbau", sagt Ole Napiwotzki. Gemeinsam mit Teilnehmer Holger Lindemann hat er sich um eine solche Extraanfertigung für einen Kunden des Radhändlers gekümmert. "Wir haben den Aufbau so verändert, dass er nun mit einer klappbaren Tischplatte und einer Schublade ausgestattet ist", so Ole Napiwotzki.

Holger Lindemann war in das Projekt von Beginn an eingebunden. Der gelernte Gas-Wasser-Installateur leidet an Depressionen. "Nach einem Zusammenbruch aufgrund meiner hohen Arbeitsbelastung musste ich lange pausieren und mich neu orientieren. Ich träume schon immer von einem Job im Karosseriebau. In der Werkstatt des Trainingszentrums konnte ich unter anderem das präzise Arbeiten üben." Zusammen mit Ole Napiwotzki sammelte Holger Lindemann Ideen zur Umsetzung des Radaufbaus, zeichnete eine Konstruktionsskizze, bestellte Materialien, sägte Holz zu und fertigte den Klapptisch und die Schublade an. Die Kombination vieler unterschiedlicher Arbeitsschritte, vom Kundengespräch über die Planung bis hin zur Auslieferung, machte den Reiz der Aufgabe aus.

Engere Kooperation geplant

Bereits seit einiger Zeit arbeitet das SRH Berufliche Trainingszentrum Rostock mit dem Fahrradhandel Transportrad MV zusammen – zum großen Nutzen für beide Seiten. "Wir vermitteln Praktikantinnen und Praktikanten in das Unternehmen und lieferten schon einmal eine Sonderanfertigung aus", sagt Ole Napiwotzki. Für ihn ist entscheidend, den psychisch erkrankten Teilnehmern während ihrer Maßnahme im Beruflichen Trainingszentrum realistische Aufträge zu erteilen, die Sinn machen und etwas Bleibendes schaffen. In der Trainingswerkstatt entstanden unter der Anleitung des gelernten Tischlers für die Räume des Trainingszentrums unter anderem eine Garderobe, Regale, Kisten, Wanduhren sowie ein PC-Steharbeitsplatz. "Wenn ein konkretes Ergebnis bei der Arbeit zustande kommt, motiviert das unsere Teilnehmer natürlich noch mehr", so Ole Napiwotzki.

Der Chef des Radladens René Tober hat selbst ein Handicap und bekam einst durch eine berufliche Rehabilitation die Chance, wieder im ersten Arbeitsmarkt zu arbeiten. So gibt er gern auch anderen Menschen mit physischen und psychischen Erkrankungen die Gelegenheit, sich auszuprobieren und darüber vielleicht einen neue oder anderen beruflichen Weg zu finden. "Ich könnte mir eine engere Kooperation mit dem Trainingszentrum gut vorstellen", sagt er. Teilnehmer Holger Lindemann hat indes sein nächstes Ziel auf seinem Weg hin zu einer neuen beruflichen Zukunft erreicht: Er absolviert jetzt eine Umschulung zum Mechatroniker.