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Psychisch erkrankte Menschen fertigen Bauhaus-Puppenhäuser

19.12.2019

Teilnehmer des SRH Beruflichen Trainingszentrums Cottbus haben die weltweit einzigen Repliken einer Bauhaus-Puppenstube gefertigt. Das Spielzeug wurde von Ludwig Hirschfeld-Mack entworfen, ein Maler und Kunsterzieher des Bauhauses. Mit den Nachbauten des Puppenhauses können Besucher in der aktuellen Ausstellung im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst Cottbus  spielen und experimentieren.

Im Beruflichen Trainingszentrum Cottbus erarbeiten sich Menschen eine neue berufliche Perspektive. Eines der Trainingsprojekte dafür war die Fertigung zweier Nachbauten der pädagogischen Puppenstube von Ludwig Hirschfeld-Mack als Auftragsarbeit für das Brandenburgische Landesmuseum. Das farbenfrohe Original entstand 1924 als Prototyp. Ludwig Hirschfeld-Mack hatte es für die Kunsterziehung konzipiert. Das variable Puppenhaus ermöglichte seinen Studenten Experimente mit der räumlichen Wirkung von Farben.

Sein Enkel genehmigte nun zwei Nachbauten. "Als Basis diente uns eine alte Zeichnung des Modells", sagt der Berufliche Trainer Martin Noack, der das Projekt begleitete. Die Arbeiten daran forderten von den Teilnehmern mit psychischer Erkrankung sowohl handwerkliches Geschick als auch strukturiertes Vorgehen. Sie sägten Bestandteile, frästen Nuten, bestellten Werkzeug – und lieferten die Puppenhäuser aus Holz termingerecht aus. "Genau darum geht es bei uns im Beruflichen Trainingszentrum. Unsere Teilnehmer arbeiten mit steigenden Anforderungen und unter realistischen Bedingungen, wie es sie in Handwerksbetrieben, Unternehmen oder Behörden gibt", so Martin Noack. 

Über das Bauhaus-Projekt fanden Teilnehmer mit unterschiedlichen persönlichen und beruflichen Biografien eine sinnhafte Aufgabe. Darunter ein ehemaliger Baumaschinenfahrer, der aufgrund der hohen Arbeitsbelastung und ständiger Montagereisen an Depressionen erkrankte. Beim Bau der Puppenstuben vertiefte der 56-Jährige seine Leidenschaft fürs handwerkliche Arbeiten. Ein Job in dieser Branche ist jetzt sein Ziel.  

Im Brandenburgischen Landesmuseum wurden die Puppenstuben schließlich noch originalgetreu bemalt. Eine ist Bestandteil der aktuellen Ausstellung "Das Bauhaus in Brandenburg". Besucher dürfen das variable Spielzeug anfassen und ausprobieren. Der zweite Nachbau dient als Ersatz, das Original ist hinter Glas ausgestellt.

Die Ausstellung im Landesmuseum Cottbus ist noch bis zum 12. Januar 2020 zu sehen.